Ein Erfahrungsbericht

 

Ich möchte Ihnen  gerne (m)eine Geschichte aus Sicht einer berufstätigen Mutter erzählen:

Solange mein Sohn den Kindergarten in Groß-Umstadt besuchte und wir mit meinen Schwiegereltern in einem Haus wohnten war alles einfach. Wir hatten immer unsere Kindermädchen im Haus und da ich erst gegen Nachmittag von der Arbeit nach Hause komme, holten Oma oder Opa unser Kind mittags vom Kindergarten ab. Dann aber zogen wir nach Reinheim und mein Sohn sollte natürlich auch hier eingeschult werden. Was also tun, wenn man zum Schulende um 11.25 Uhr oder 12.30 Uhr noch nicht zu Hause ist? Da erzählte mir meine Arbeitskollegin von der Möglichkeit, die Betreuung von Grundschulkindern in Anspruch zu nehmen. Dieser Verein besteht bereits seit 14 Jahren und hat sich zur Aufgabe gemacht Schulkinder vor und nach der Schule zu betreuen. Zudem arbeitet der Verein eng mit der Gersprenzschule zusammen und steht mit dieser in ständigem Kontakt. Natürlich war ich hell auf begeistert und meldete ihn sofort an.

Just in dem Moment als ich die Anmeldung unterschrieben hatte, beschlich mich mein schlechtes Gewissen. „Jetzt schiebst Du Deinen Sohn auch noch zu Fremden ab, das arme Kind, wer weiß ob die da überhaupt nett sind!“ Aber, trotz Alledem versuchte ich mich zu beruhigen, er ist schließlich nicht das einzige Kind, das nicht direkt von der Schule nach Hause geht und sooo ungewöhnlich ist das auch wieder nicht, also „Augen zu und durch“!

Der 1. Schultag war schnell vorbei. Von da Tag an können die „Betreuungskinder“ täglich bis 14.00 Uhr in den Vereinsräumen im Hofgut abgeholt werden. Ich bin an diesem Tag natürlich viel zu früh da, habe extra früher Feierabend gemacht, weil ich insgeheim davon überzeugt bin, das mein Kind total unglücklich in der Ecke sitzt. Aber was muss ich erleben, ganz im Gegenteil, schon von außen kommt mir geschäftiges Stimmengewirr und Kinderlachen entgegen. Die Erzieherinnen sind total entspannt und wie sich nach schon kurzer Zeit herausstellt auch noch alle super nett. Kinder unterschiedlicher Altersgruppen - darunter auch mein Sohn- spielen wie hypnotisiert am Tischkicker. Zuerst gibt dieser mir zu verstehen, das ich eigentlich viel zu früh da bin und er auf jeden Fall noch zu Ende spielen wird! Also warte ich...und warte. Auch in den darauffolgenden Tagen ist es nicht anders und es stellt sich heraus, dass ich immer diejenige bin, die letztendlich warten muss. Als ich ihn einmal direkt von der Schule abhole ist er sogar traurig, dass er mal nicht in die Betreuung kann. Ich bin mittlerweile davon überzeugt...das war die beste Entscheidung die ich treffen konnte....hab‘ ich es doch gleich gewusst!

Fortsetzung nach einem Jahr:

Nachdem mein Sohn mittlerweile über 1 Jahr die Grundschulkinderbetreuung der Gersprenzschule im Reinheimer Hofgut besucht, kann ich nur allen Eltern, die sich mit diesem Gedanken auseinander setzen, sagen: „Tut es einfach“!
Lasst Eure Kinder ausprobieren ob sie sich wohl fühlen und fallt nicht aus allen Wolken, wenn es schon am 2. Tag heißt: „Was, du bist schon da...komm’ morgen mal bitte so spät wie möglich“!

Wer meinen Erfahrungsbericht vom letzten Jahr gelesen hat, wird mich verstehen. Meine Sorgen waren damals klar definiert.
Erstens, mein kleiner, gerade eingeschulter Sohn, fast erst den Windeln entschlüpft, muss nach der Schule bis ins Hofgut laufen und kann nicht wie die anderen Kinder, gleich nach Hause gehen.
Zweitens, alle Betreuerinnen sowie Kinder sind ihm dort absolut fremd, dazu kommen die Altersunterschiede von der 1. bis zur 4. Klasse, wahrscheinlich wird man ihn als einer der jüngsten eh’ nur unterdrücken.
Der dritte Punkt war einfach mein schlechtes Gewissen, nur weil ich halbtags arbeite, muss ich meinen Sohn bis 14.00 Uhr jeden Tag abschieben, na super.
All´ die Sorgen haben sich als völlig überflüssig heraus gestellt. Von Anfang an hatte Max dort Spielkameraden. Die Altersunterschiede spielten für die Kinder überhaupt keine Rolle – im Gegenteil-, auch klassenübergreifend entstanden Kontakte. Auch nach dieser langen Zeit in der Betreuung, muss ich mir noch einen vorwurfsvollen Blick von meinem Sohn gefallen lassen, wenn ich ihn zu früh vom Hofgut abhole. Entweder ist er gerade mitten im Fußballspiel oder am Lego- Tisch, also muss Mama warten... Die Betreuerinnen sind allesamt super und haben die Kinder wirklich im Griff, da könnte man sich so manches mal eine Scheibe abschneiden. Auch in der angebotenen Ferienbetreuung hat mein Sohn immer eine Menge Spaß, ob Museums-, Schwimmbadbesuche oder sonstige Aktivitäten, es ist immer etwas los.

Als Fazit habe ich folgendes erkannt. Das Problem lag einzig und allein bei mir. Mein Sohn war alt genug, aber ich wollte als Superglucke nicht so recht los lassen. Er ist viel selbstständiger und „cooler“ geworden, mein schlechtes Gewissen ist verschwunden und so kann man letztendlich sagen

„Betreuung gut, alles gut!!!